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Gefahr durch Zecken: In Deutschland steigt das Risiko für Borreliose und FSME - jede:r Dritte hatte bereits einen Zeckenstich
Zecke auf der Suche nach einer Einstichstelle / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/13016 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.
Berlin (ots) -
Die warmen Spätsommertage laden viele dazu ein, Zeit in der Natur zu verbringen. Auch Zecken sind jetzt noch unterwegs. Entgegen der allgemeinen Annahme sind sie nicht nur im Hochsommer aktiv. Sie fallen erst bei Temperaturen unter null Grad in die Winterstarre. Durch die deutlich milderen Temperaturen in den Wintermonaten besteht durch den Klimawandel ein ganzjähriges Zeckenrisiko in Deutschland [1]. Damit steigt auch das Risiko einer Infektion mit von Zecken übertragenen Krankheiten wie der Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die schwere gesundheitliche Folgen haben können [2]. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey [A] stellt fest, dass mehr als jede:r Dritte (39 %) in den letzten fünf Jahren einen Zeckenstich hatte, knapp ein Fünftel (18 %) sogar mehrfach.
Mit einem Zeckenstich können gefährliche Krankheitserreger übertragen werden, insbesondere auch FSME-Viren und Borrelien [3,4]. Der aktuellen Civey-Umfrage [A] zufolge ist das Risikobewusstsein in der Bevölkerung groß: 90 % der Befragten halten Zecken mindestens für gefährlich und 81 % wissen um die Gefahr durch Borreliose, während FSME nur etwa zwei Drittel der Befragten bekannt ist. Mehr als jede:r Dritte wurde in den letzten fünf Jahren mindestens einmal von einer Zecke gestochen.
Hohes allgemeines Bewusstsein, aber das persönliche Risiko wird unterschätzt
Borrelien sind Bakterien, die die sogenannte Borreliose auslösen können. Bleibt diese Infektion unbehandelt, drohen schwere Gelenk-, Nerven- und Herzmuskelentzündungen, die beispielsweise zu chronischer Erschöpfung (Post-Borreliose-Syndrom) führen können [5, 6]. Die gemeldeten Borreliose-Fallzahlen sind zwischen 2022 und 2025 konstant angestiegen [7]. Die genauen Fallzahlen sind aufgrund der fehlenden flächendeckenden Meldepflicht nicht bekannt und lassen daher eine hohe Dunkelziffer vermuten. Vertragsärztlichen Abrechnungsdaten zufolge gab es allein im Jahr 2024 138.107 Borreliose-Neudiagnosen in Deutschland [8]. Doch obwohl rund ein Viertel der in der Civey-Umfrage A Befragten bereits selbst an Borreliose erkrankte oder von einem Fall im engsten Kreis berichten kann und 80 % die Erkrankung als schwerwiegend wahrnahmen, schätzen die meisten ihr persönliches Risiko für eine FSME- oder Borreliose-Erkrankung als gering ein. Ein Grund hierfür könnten Wissenslücken sein - obwohl es keine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt, glaubten sechs von zehn Befragten, dass eine Impfung gegen Zecken übertragbare Krankheiten auch vor dieser schützen könne.
Was passiert, wenn eine Zecke sticht?
Nach einem Zeckenstich vergehen in der Regel einige Stunden, bis die Borrelien ins Blut gelangen. Je eher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist also das Risiko an Borreliose zu erkranken [3]. Bei FSME ist dies allerdings nicht der Fall, denn die Viren können direkt beim Stich auf den Menschen übertragen werden [4]. FSME ist eine Erkrankung der Hirnhäute und des zentralen Nervensystems, die nicht mit Medikamenten heilbar ist. Schwere Verläufe können Lähmungen, Schluck- und Sprechstörungen hervorrufen und in einigen Fällen sogar tödlich enden [9].
Bei FSME ist eine ähnliche Tendenz wie bei Borreliose zu beobachten. Auch hier stiegen die FSME-Fallzahlen in Deutschland zuletzt an. So verzeichnete das Robert Koch-Institut (RKI) 2025 den dritthöchsten Stand von FSME-Infektionen seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001 [10.] Bei Kindern und Jugendlichen stiegen die FSME-Fälle in den letzten zehn Jahren sogar um 175 % an [11]. Die Ergebnisse der Civey-Befragung [A] zeigen, dass Kinder häufiger gestochen werden: Rund die Hälfte der Eltern (51%) gab an, in den letzten fünf Jahren mindestens einen Zeckenstich bei einem ihrer Kinder entdeckt zu haben.
Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, doch bei FSME ist ein Impfschutz möglich
Um langfristige Folgen einer Borreliose zu verhindern, sind eine frühzeitige Diagnose und Antibiotika-Behandlung wichtig, da kein Impfschutz zur Verfügung steht.
Den zuverlässigsten Schutz gegen die FSME bietet die FSME-Impfung [10]. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diese allen Personen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten und mit Zecken in Kontakt kommen können [12]. Mit der zunehmenden Zeckenaktivität und Ausbreitung in Deutschland steigt auch die Zahl der FSME-Risikogebiete: Nach Angaben des RKI zählt inzwischen fast die Hälfte aller Stadt- und Landkreise dazu [10].
Die FSME-Impfung kann ab dem ersten Geburtstag erfolgen und besteht aus drei Impfungen in einem Abstand von mehreren Monaten. Falls ein kurzfristiger Schutz (z. B. für geplante Ausflüge oder Reisen) benötigt wird, ist auch ein schnelles Impfschema möglich: Mittels diesem kann ein ausreichender Schutz für die aktuelle Zeckensaison innerhalb weniger Wochen aufgebaut werden [13]. Für einen längerfristigen Schutz ist es jedoch wichtig, die Impfserie abzuschließen. Danach sind FSME-Auffrischungsimpfungen in regelmäßigen Abständen nötig, um zuverlässig vor FSME geschützt zu sein [13].
Was kann man sonst noch tun?
- Auf die richtige Kleidung achten:Damit es gar nicht erst zu einem Zeckenstich kommt, empfiehlt sich das Tragen von langer und geschlossener Kleidung. Auf heller Kleidung können die Blutsauger zudem schnell entdeckt werden. Auch Anti-Zeckensprays können helfen, wirken aber nur für eine gewisse Zeit und müssen immer wieder neu aufgetragen werden [4,9].
- Sich bei einem Zeckenstich richtig verhalten: Trotz aller Vorsorge sollte der Körper nach jedem Aufenthalt im Grünen gründlich nach Zecken abgesucht werden. Zecken stechen bevorzugt in dünne, warme und geschützte Hautstellen. Daher sollte bei der Suche besonders auf Kniekehlen, Bauch, Brust und den Intimbereich geachtet werden. [4, 9 ]Bei Kindern findet man Zecken zudem oft am Kopf bzw. Haaransatz oder im Nacken. Im Falle eines Stichs ist es wichtig, die Zecke schnellstmöglich mit dem dafür vorgesehenen Werkzeug - beispielsweise einer Zeckenkarte oder -zange - zu entfernen und die Einstichstelle mehrere Wochen zu beobachten. Kommt es zu Hautveränderungen - wie der für eine Borreliose typischen ringförmigen Rötung um die Stichstelle - oder treten Grippe-Symptome auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, denn das könnten erste Symptome für eine Infektion sein [4,5,6,9].
[A] Civey-Umfrage im Auftrag von Pfizer unter 10.000 erwachsenen Personen in Deutschland im Zeitraum vom 24.06. bis 07.07.26.
[1] Probst J et al. Ticks Tick Borne Dis. 2023;14:102225.
[2] Jung L et al. Flug u Reisemed. 2024;31:13-24.
[3] Robert Koch-Institut (RKI). Lyme-Borreliose. RKI-Ratgeber. Stand: April 2025. www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_LymeBorreliose.html. Letzter Zugriff: 29.07.2026.
[4] RKI. Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und verwandte Virusenzephalitiden (TBE, tick-borne encephalitis). RKI-Ratgeber. Stand: Februar 2025. www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_FSME.html. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
[5] Rauer S et al. Neuroborreliose, S3-Leitlinie, 2024; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. www.dgn.org/leitlinien. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
[6] Hofmann H et al. Kutane Lyme-Borreliose, S2k-Leitlinie, 2023; in: Deutsche Dermatologische Gesellschaft, Online: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-044. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
[7] RKI. SurvStat@RKI2.0. Web-basierte Abfrage der Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG). https://survstat.rki.de. Letzter Zugriff: 13.08.2026. Parameter: Krankheit/Erreger: Borreliose; sortiert nach Meldejahr.
[8] Zentralinstitut Kassenärztliche Versorgung. Grafik des Monats. https://www.zi.de/das-zi/medien/grafik-des-monats/detailansicht/juni-2026. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
[9] BIÖG. FSME. Stand: März 2024. www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/fsme. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
[10] RKI. Epid Bull. 2026;9:1-23.
[11] RKI. SurvStat@RKI2.0. Web-basierte Abfrage der Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG). https://survstat.rki.de. Letzter Zugriff: 29.07.2026. Parameter: Krankheit/Erreger: FSME; Referenzdefinition: klinisch-labordiagnostisch; Altersgruppierung: 1-Jahresintervalle (alle < 18 Jahren); sortiert nach Meldejahr.
[12] RKI. Epid Bull. 2026;4:1-75.
[13] RKI. Antworten auf häufig gestellte Fragen zur FSME-Impfung. Stand: Juli 2026. www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/FSME-Impfung/FSME-Impfung.html. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
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