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Zwei Bedeutungen von "Geschichte": Zum Massenmord von Chodschali

Das Foto vom Grab des im 3. Jahresalter in Chodschali getöteten Mädchen Gülmira Murad gyzi Mehdiyeva auf dem Märtyrerfriedhof in Baku / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/105475 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke unter Beachtung ggf. genannter Nutzungsbedingungen honorarfrei. Veröffentlichung bitte mit Bildrechte-Hinweis. Das Foto vom Grab des im 3. Jahresalter in Chodschali getöteten Mädchen Gülmira Murad gyzi Mehdiyeva auf dem Märtyrerfriedhof in Baku / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/105475 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke unter Beachtung ggf. genannter Nutzungsbedingungen honorarfrei. Veröffentlichung bitte mit Bildrechte-Hinweis.

Berlin (ots) -

Zwei Bedeutungen von "Geschichte": Zum Massenmord von Chodschali

I Die Geschichte der Historiker

Chodschali in Berg-Karabach hatte 1992 an die 6 000 Einwohner und einen eigenen Flughafen. Der Flughafen war für die armenischen Invasoren wichtig, weil es keine Landverbindung zwischen Berg-Karabach und Armenien gab.

Am 25. Februar 1992 gegen 23 Uhr griffen etwa 2 000 armenische Kämpfer Chodschali an. Der Überfall dauerte bis in die Morgenstunden des 26. Februar. An der Attacke beteiligte sich das 366. Infanterieregiment, eine noch aus der Armee der zwei Monate zuvor untergegangenen Sowjetunion stammende Einheit. Sie soll so gut wie vollständig aus ethnischen Armeniern bestanden haben. Die Angreifer waren den aserbaidschanischen Verteidigern Chodschalis numerisch und an Ausrüstung haushoch überlegen. Die Aserbaidschaner verfügten über etwa 40 Angehörige der Spezialeinheit OMON, dazu eine militärisch nicht gleichwertige Truppe von etwa 200 Mitgliedern einer Selbstverteidigungseinheit. Gegen die Panzer und das andere schwere Gerät der Angreifer waren sie chancenlos.

Nachdem die Armenier den militärischen Widerstand der Aserbaidschaner niedergekämpft hatten, zwangen sie die Zivilbevölkerung Chodschalis, die Stadt in Richtung des etwa zehn Kilometer östlich liegenden Agdam zu verlassen. Dort befand sich damals noch eine aserbaidschanische Garnison. Die Straße nach Agdam war der einzige Weg aus Chodschali, den die Armenier noch offengelassen hatten. Unterwegs beschossen die armenischen Angreifer die fliehenden Zivilisten. Während des Angriffs töteten sie nach aserbaidschanischen Angaben 613 von ihnen. Damit ist das Kriegsverbrechen von Chodschali nach Opferzahlen der zweitschlimmste Genozid im Europa der Nachkriegszeit, nach Srebrenica.

Um den Angriff auf Chodschali zu legitimieren und die dabei von der armenischen Seite begangenen Kriegsverbrechen zu relativieren, machte eine offizielle armenische Darstellung der Ereignisse den Ort zwei Jahre später zu "einem sehr bedeutenden militärstrategischen Knotenpunkt des Gegners", "wo große militärische Formationen konzentriert waren". (Quelle: V. B. Arutjunjan, Sobytija v Nagornom Karabache. Chronika. Teil 4. Eriwan 1994, Seite 118; Übersetzung M. R. H.)

Das Oberkommando über die armenischen Einheiten, die in Berg-Karabach operierten, hatte während des Kriegsverbrechens Sersch Sargsyan. Er besetzte von 1993 bis 2007 den Posten des Verteidigungsministers Armeniens und von 2008 bis 2018 auch den des Präsidenten in dem Land. Man kann also sagen, dass einer der Hauptverantwortlichen für den Massenmord einen großen Teil der Geschichte des erneut unabhängigen Armeniens bestimmt hat. Zu Chodschali sagte Sargsyan selbst:

"[B]efore Khojali, the Azerbaijanis thought that they were joking with us, they thought that the Armenians were people who could not raise their hand against the civilian population. We were able to break that [stereotype]. And that´s what happened." (Quelle: Babajew, Aser: Weder Krieg noch Frieden im Südkaukasus. Hintergründe, Akteure, Entwicklungen zum Bergkarabach-Konflikt. Baden-Baden 2014, Seite 38)

Das Zitat spricht für sich. Sargsyan gibt darin unumwunden zu, dass der barbarische Massenmord von Chodschali in voller Absicht verübt wurde. Er verkündet mit unverkennbarem Stolz, dass derartige Kriegsverbrechen für ihn ein Mittel waren, der Politik Armeniens eine ernsthafte Dimension zu verleihen. Persönlich fühle ich mich durch das Zitat an Äußerungen erinnert, die dem von vielen Armeniern als Held verehrten Bolschewiki-Führers Stepan Shahumyan (1878-1918) zugeschrieben werden. Er soll sie nach einem anderen in Aserbaidschan verübten Genozid gemacht haben, bei dem unter seiner Führung Ende März 1918 allein in Baku mehrere Tausend Zivilisten von bewaffneten armenischen und Bolschewiki-Einheiten massakriert wurden:

"We used a motive. It was the first attempt to attack our cavalry unit. We began an attack along the whole front... we already had 6 thousand armed men. Dashnaktsutyun had 3-4 ethnic units which were controlled by us. Their participation made the civil war look like an ethnic massacre, but it couldn't be avoided. We did it on purpose." (Quelle: Yelchuev, Orkhan: Events of March 1918 in Baku: how it was in reality. Https://vestnikkavkaza.net/analysis/politics/68706.html (https://vestnikkavkaza.net/analysis/politics/68706.html) [besucht am 2. Februar 2021])

Der letzte Satz ist der wichtigste, verräterischste: "Wir haben es absichtlich getan."

II Die Geschichte aus Sicht der Opfer

Das Foto zum hier geposteten Beitrag habe ich auf dem Märtyrerfriedhof von Baku gemacht. Gülmira Murad gyzi Mehdiyeva wurde nur drei Jahre alt. Sie ist nicht das einzige kleine Mädchen, das während des armenischen Angriffs auf Chodschali starb. Sie und die anderen Zivilisten starben in Chodschali - warum?

Es gibt eine Szene in Claude Lanzmanns Film "Shoah", wo Lanzmann eine analoge Frage einem der von ihm aufgespürten Nazitäter stellt. Man sollte diese Frage, oder vielmehr die in dieser Frage unmissverständlich enthaltene Antwort, Sersch Sargsyan und den anderen Verbrechern stellen, die den Massenmord von Chodschali zu verantworten haben. Dazu ist es noch nicht zu spät. Die Verurteilung des Kriegsverbrechers Ongwen in Den Haag könnte zeigen, dass die Zeiten, in denen die Weltgemeinschaft Kriegsverbrechen und Genozide mit Schweigen übergeht, doch endlich zu Ende gehen.

Die Geschichte der Opfer von Chodschali ist noch weitgehend unerzählt. Vielleicht auch deshalb, weil man derartiges Grauen nicht erzählen kann. Wer sollte es erzählen? Die zu Tode Gefolterten und Erschossenen hatten keine Zeit, irgendetwas zu hinterlassen. Es bleiben die Fotografien und Berichte der Überlebenden und Zeugen. Vieles ist schon aufgearbeitet worden. Aber es ist noch viel zu tun. Es gilt, die Geschichten der Opfer niederzuschreiben und die Erinnerung an sie wachzuhalten.

Pressekontakt:

Dr. Michael Reinhard Heß
Email MichaelRHess@t-online.de
Tel. 030-97 89 40 28


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