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Wohnungsnot ist das größte Infrastrukturproblem in Deutschland

Hamburg (ots) - Fehlender Wohnraum ist aus Sicht der deutschen Bevölkerung das derzeit größte Infrastrukturproblem im eigenen Land. Nur jeder vierte Bundesbürger (25%) bewertet die Verfügbarkeit von neuen Wohnungen bzw. Häusern in Deutschland als ziemlich oder gar sehr gut. Damit befindet sich die Bundesrepublik im internationalen Vergleich in der Schlussgruppe. Geht es um andere Infrastrukturbereiche wie die Wasserversorgung, Flughäfen oder Straßen, ist die Zufriedenheit der Deutschen meist jedoch überdurchschnittlich hoch. Das geht aus den Ergebnissen des aktuellen 'Global Infrastructure Index 2018' hervor, einer internationalen Studie, die von Ipsos in Kooperation mit der Global Infrastructure Investor Association (GIIA) in insgesamt 29 Ländern durchgeführt wurde.

Deutschland hinkt in Sachen Wohnungsbau weit hinterher

Zwar zeigen sich die Deutschen grundsätzlich recht zufrieden mit der hiesigen Infrastruktur, allerdings ist der Frust über Wohnungsknappheit besonders gravierend. Einzig in Brasilien (20%) ist die Bevölkerung noch unzufriedener mit der Wohnraumsituation im eigenen Land. Insgesamt wird die Verfügbarkeit von Wohnraum global gesehen als verhältnismäßig kleines Problem eingestuft. Weltweit ist nur jeder dritte Befragte (36%) der Ansicht, dass im eigenen Land vorrangig in den Bau von Wohnungen und Häusern investiert werden sollte. Fast jeder Zweite (45%) sieht hingegen den größten Investitionsbedarf im örtlichen Straßennetz.

Höchster Zufriedenheitsgrad in Nahost

Folgerichtig wird der Infrastrukturbereich Wohnungsbau in anderen Ländern auch deutlich positiver bewertet als in Deutschland, insbesondere in Nahost. Mehr als zwei Drittel aller Saudis (69%) sind zufrieden mit den Schaffung von Wohnraum im eigenen Land. Auch in der Türkei lobt eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung (59%) die nationalen Bemühungen in diesem Bereich, weltweit tun dies immerhin vier von zehn Personen (42%).

Gute Noten für deutsche Wasser- und Abwasserinfrastruktur

In allen anderen abgefragten Infrastruktursektoren schneidet Deutschland allerdings deutlich besser ab. Die hiesige Wasserversorgung bzw. Abwasserentsorgung ist im internationalen Vergleich sogar Spitzenreiter. Drei von vier Bundesbürgern (75%) sind mit der Versorgung in diesem Bereich zufrieden, während sie in Italien - dem Land der antiken Aquädukte - nicht einmal von jedem dritten Bürger (29%) positiv bewertet wird. Nichtsdestotrotz ist fast jeder zweite Deutsche (47%) der Überzeugung, dass wir als Land insgesamt gesehen nicht genug unternehmen, um die Infrastrukturbedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen.

Laut Dr. Robert Grimm, Director Ipsos Public Affairs, können die Ergebnisse des aktuellen 'Global Infrastructure Index' auch als Indikator einer fortschreitenden Gentrifizierung in deutschen (Groß-)Städten gewertet werden: »Ipsos Studien zeigen regelmäßig: die größte Sorge der Deutschen ist Angst vor Armut und sozialer Ungleichheit. Hohe Mieten sind Teil von Verdrängungsmechanismen, die das Gefühl von gesellschaftlicher Benachteiligung schüren. Immer weniger Menschen können es sich leisten, in den Zentren großer Metropolen zu leben. Ob Mietpreisbremsen das richtige Mittel sind, um den Markt zu kalibrieren, sei dahingestellt. Andere Wege, wie die Freigabe von Bauland oder private und öffentliche Investitionen in sozialen Wohnungsbau, sind in der Politik viel diskutiert. Eines ist sicher, der Frust mit der Wohnungssituation in Deutschland steigt und damit auch der Druck auf die Politik. Denn nach Einkommen segregierte Städte sind immer auch die Wiege von sozialem Sprengstoff.«

Methode:

Die Ergebnisse stammen aus dem 'Global Infrastructure Index', einer Global Advisor-Studie, die über das Ipsos Online Panel System durchgeführt wurde. Die Befragung wurde vom 24. August bis zum 7. September 2018 unter 20.286 Personen in 29 Ländern durchgeführt:

Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Peru, Polen, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Serbien, Südafrika, Südkorea, Spanien, Schweden, Tschechien, Türkei, Ungarn und USA. In Kanada und den USA waren die Befragten zwischen 18 und 64 Jahren alt, in Tschechien zwischen 18 und 65 Jahren, in allen anderen Ländern zwischen 16 und 64 Jahren.

Es wurde eine Gewichtung der Daten vorgenommen, um die demografischen Merkmale auszugleichen und damit sicherzustellen, dass die Stichprobe die aktuellen offiziellen Strukturdaten der erwachsenen Bevölkerung eines jeden Landes widerspiegelt.

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